Employer Branding klingt nach Grosskonzern. Ist es nicht. KMU können — müssen — ihr eigenes Arbeitgeberprofil aufbauen. Mit Authentizität statt Hochglanz.
Was Employer Branding wirklich ist
Die kürzeste Definition: Was Ihre Mitarbeitenden über Sie erzählen, wenn Sie nicht zuhören.
Alles andere — Karriereseite, Social-Media-Kanal, Messe-Stand — verstärkt oder widerspricht dieser Grunderzählung. Schaffen kann sie nur die gelebte Realität.
Der Authentizitäts-Test
Bevor Sie in Employer Branding investieren: Bestehen Sie diesen Test?
1. Würde ein neu eingestellter Mitarbeiter nach 6 Monaten die gleiche Geschichte über Sie erzählen wie Ihre Karriereseite?
2. Wenn nicht — was stimmt nicht? Die Seite zu bunt? Die Realität zu grau? Meist: beides.
Wenn es nicht stimmt, bauen Sie erst die Realität, dann die Kommunikation. Nicht umgekehrt.
Bausteine für ein ehrliches Employer Branding
1. Die Karriereseite
Weg von Floskeln. Hin zu:
- Fotos echter Mitarbeitender (nicht Stockfoto)
- Kurze Videos: "Wie ein normaler Dienstag bei uns aussieht"
- Klare Zahlen: wie viele Mitarbeitende, welche Fluktuation, was für Teams
- Zitate mit Namen und Funktion
2. Die offenen Stellen
Siehe vorherigen Artikel. Jede Stellenausschreibung ist ein Stück Employer Branding.
3. LinkedIn-Präsenz
Nicht die Firmenseite (die liest niemand) — sondern die Geschäftsführerin und Führungskräfte. Wer als Mensch sichtbar ist, macht die Firma menschlich.
4. Mitarbeiter-Stimmen auf kununu
In der DACH-Region unverzichtbar. Reagieren Sie auf jede Bewertung — sachlich, menschlich, nicht defensiv.
5. Lokale Sichtbarkeit
Vorträge an Fachhochschulen, Sponsoring lokaler Initiativen, Interviews in Branchenzeitschriften.
Der Bumerang-Effekt
Kurzfristig lässt sich Employer Branding aufpolieren. Nach 6 Monaten spürt der Markt die Lücke zwischen Kommunikation und Erfahrung. Das schadet mehr, als gar nichts zu tun.
Deshalb: Versprechen Sie weniger, liefern Sie mehr.
Budget
Für ein KMU mit 20 Mitarbeitenden: CHF 5'000–15'000 pro Jahr sind realistisch. Aufgeteilt auf:
- Karriereseite (einmalig, dann Pflege)
- Stellenanzeigen (wenn sie laufen)
- Events (Fachhochschulen, Branchenanlässe)
- Reaktion auf kununu-Bewertungen
- Produktion von 2–3 kurzen Videos pro Jahr
Messen
Wichtige Indikatoren:
- Bewerbungen pro ausgeschriebener Stelle
- Qualität der Bewerbungen
- "Woher hast du von uns gehört?" (systematisch abfragen)
- Empfehlungsquote bei bestehenden Mitarbeitenden
- Dauer vom Stellen-Post bis zur Anstellung
Der wichtigste Kanal
In kleinen und mittelgrossen Unternehmen ist der wichtigste Recruiting-Kanal immer noch: das persönliche Netzwerk Ihrer Mitarbeitenden.
Jede:r Mitarbeiter:in, die bei einem Apéro erzählt, wie es bei Ihnen ist, wirkt wie zwei Stellenausschreibungen. Zufriedene Mitarbeitende sind Ihre beste Employer-Brand-Investition.
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